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Geschlossene Gesellschaft

Im Zentrum des Stückes stehen der feige und selbstsüchtige Journalist Joseph Garcin, der desertiert ist und seine Frau mit sadistischen Erniedrigungen von sich abhängig gemacht hat. Ines Serrano, die Frauen liebte, wenn sie sich von ihren Leiden nähren konnte. Und Estelle Rigault, die ihr Kind, dessen Vater ihr Geliebter war, ermordete und den Geliebten so in den Tod getrieben hat.

Jeder kommt auf eine andere Weise zu Tode. Garcin erlitt einen Schwächeanfall, Ines wurde von ihrer Geliebten vergast und Estelle starb an einer Lungenentzündung. Nach ihrem Tod treffen sich diese drei "Abwesenden" beinahe wie zufällig in der Dunkelheit in einer "Nicht-Zeit" in einem "Nicht-Raum". Sollen diese drei nun für ihre Taten büßen? Sind sie einfach nur in einer jenseitigen Welt oder ist dies eine Hölle, in der sie sich wiederfinden, die sich der höllischen Möglichkeiten des Diesseits bedient?

Die Nichtexistenz der Figuren passiert in einer Grenzwelt, in der nur noch ihre Energie, ihre Stimmen eine Präsenz hat. In dieser Situation entsteht ein Gespräch, dass zum Spiel wird und dessen Regeln von einem Gericht bestimmt werden, das weder reine Opfer noch Täter kennt. In dieser ewigen Hölle ist jeder für den anderen Richter, Peiniger und Gepeinigter zugleich. Sie hängen an ihren Erinnerungen, die ihnen Ihre Identitätslosigkeit über den Tod hinaus bewusst machen. Ines stellt Estelle nach, die jedoch allein Garcin für sich gewinnen will, der wiederum sein journalistisches und politisches Versagen durchdenkt, aber auf die Intelligenz und Anerkennung von Ines angewiesen ist. Jeder von ihnen bedarf der Hilfe eines der beiden anderen, doch indem er sich diesem nähert, quält er den dritten. So gilt: Keine Unschuld Nirgends.

Erst als die drei in diesem "Nicht – Raum", in dem es mit Bedacht keinen Spiegel gibt, beginnen sich ineinander zu spiegeln, werden sie zur Wahrheit vor sich selbst gezwungen; in einer Ewigkeit, in der jede Tat unkorrigierbar geworden ist. Die Charaktere werden immer wieder auf sich selbst zurück geworfen und sich durch die verzweifelte Entäußerung von Worten ihrer (Sinn-) Leere und dem einhergehenden Identitätsverlust zunehmend bewusst.

Um dieser Situation einen Raum und eine Atmosphäre zu geben, saßen die Zuschauer im Kellerraum der Fleischerei in einem elliptischen Stuhlkreis. Die Szenen blitzten so in bedrückender Nähe zu den Zuschauern und diffus beleuchtet in dem kalten Gewölbe auf.

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Ensemble

Performance:

Garcin: Uwe Dreysel
Inès: Susanna Hohlrieder
Estelle: Iris Huber

Künstlerische Leitung:

Inszenierung: Jan Jedenak
Dramaturgie: Elisa Weingartner
Grafik/Layout: Peter Ardmar
Fotos: Manuel Platzer / www.bildwirksam.at